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Angedacht
Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch! (1 Petrus 4,7)
Vorsorge ist das Thema unserer Tage. Gesundheitsvorsorge, Altersvorsorge, das sind nur zwei Beispiele aus dem reichhaltigen Angebot des Vorsorgemarktes.
Was ist vernünftig, und was schon nicht mehr?
Dass man für seine Gesundheit vorsorgt, sich in seinem Leben und Verhalten auch an der Zukunft unserer leiblichen und seelischen Gesundheit orientiert, ist sinnvoll. Das kann jede und jeder sicherlich nachvollziehen. Natürlich macht es Sinn, in vernünftigen Grenzen zu essen und zu trinken. Natürlich macht es Sinn, in vernünftigen Grenzen für körperliche Bewegung zu sorgen. Natürlich macht es Sinn, regelmäßig zum Arzt zu gehen und zum Beispiel Vorsorgeuntersuchungen durchführen zu lassen.
Auch Altersvorsorge hat etwas mit Vernunft und Verstand zu tun.
Es macht Sinn, sich um seine Rente zu kümmern. Es macht Sinn, sich zu fragen, wie man im Alter wohnen und leben will, und was man dafür tun kann.
Aber alles Vorsorgen verhindert nicht, dass die Sorge bleibt.
Ich jedenfalls mache mir Sorgen. Um Gesundheit und Arbeitskraft. Um die Zukunft dieser Welt und meiner Kinder und Enkel. Um die Zukunft dieses Landes und unserer Kirche. Um die finanziellen Probleme unserer Kirchengemeinden. Um mein Leben im Alter und was weiß ich noch alles. Und ich vermute mal, dass ich damit nicht allein stehe. Und wenn ich Sorgen sage, dann meine ich: da bedrücken mich Dinge und machen mir Angst. Und da hilft keine Versicherung dagegen – und gegen was kann man sich heute nicht versichern. Und da hilft keine Ablenkung – und wie oft stürzen wir uns nicht in Arbeit oder sitzen stundenlang vor dem Fernsehen, nur um die Wirklichkeit einen Moment vergessen zu können? Und da helfen keine gutgemeinten Ratschläge und auch nicht die Erfahrung anderer.
Ihr Lieben, wenn die Sorge uns richtig packt, dann ist alle menschliche Weisheit am Ende. Und aus Angst machen wir oft die dümmsten Dinge. Und stürzen uns in die Arme falscher Sicherheiten.
Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch. Das möchte ich mir bildlich vorstellen. Ich nehme die Last der Sorge, die mich niederdrückt, die mir den Rücken beugt, die mir die Luft zum Atmen nimmt, und ich gebe sie ab. Ich werfe diese Last auf Gott. Und ich kann wieder aufrecht gehen, denn ich habe nichts mehr zu tragen. Ich kann wieder frei atmen, denn nichts nimmt mir die Luft. Und ich kann wieder vernünftig denken und handeln, denn keine Angst vernebelt mir die Sinne. Und so befreit und erleichtert, habe ich die Möglichkeit, die Probleme meines Lebens in Angriff zu nehmen.
Das ist wichtig: Wenn wir unsere Sorgen auf Gott werfen, dann heißt das nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen und Gott machen lassen. Dann bedeutet das vielmehr: Wir haben die Kraft und den Verstand, unsere Probleme in Angriff zu nehmen. Mit den Schwierigkeiten unseres Lebens konstruktiv umzugehen. Und das heißt: Aus allen Situationen das Beste zu machen. Der Angst ins Angesicht zu sehen und sie zu bekämpfen. Die Zukunft unseres Landes und dieser Erde mitzugestalten. Die Zukunftsfragen unserer Gemeinden kreativ und mutig anzupacken. Familiäre Probleme in Angriff zu nehmen und zu lösen. Für uns selbst und unsere Gesundheit etwas zu tun. Und dabei immer noch Kraft übrig zu haben, um dem Nächsten hilfreich zur Seite zu stehen.
Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch. Ideal wäre es, wenn wir unsere Sorgen komplett an Gott abtreten könnten. In dem Vertrauen, dass er für uns sorgt. Dass er uns Kraft schenkt für jeden neuen Tag. Dass er uns freundliche Menschen an die Seite stellt, die uns in Krankheit und Trauer, in Angst und Verzweiflung helfen.
Ich bin sicher, dass wir im Rückblick auf unser Leben erzählen können von Situationen wo Gott uns bildlich gesprochen am Kragen gepackt hat, uns wieder auf die Beine geholfen hat, uns vor falschen Wegen und tiefen Stürzen bewahrt hat.
Ideal wäre es, wenn wir so eine absolute Sicherheit in uns selbst bekämen, ein totales Vertrauen. Aber wir wollen uns nichts vormachen: menschlich wie wir sind, wird auch das nur Stückwerk bleiben. Aber das wäre es doch schon: Anfänge des Vertrauens auf den Gott der Liebe zu erleben, kleine Stücke der Geborgenheit. Dann würden unsere großen Sorgen ein entscheidendes Stück kleiner, und unsere großen Ängste würden ein entscheidendes Stück weniger bedrohlich.
Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.
Lasst uns wieder neu beginnen, Gott zu vertrauen, wie kleine Kinder ihren Eltern vertrauen. Lasst es uns ausprobieren an jedem neuen Tag. Im neuen Schuljahr, das vor unseren Kindern und Jugendlichen liegt. Jede und jeder im eigenen Alltag, in der ganz besonderen Situation, in allem, was uns vor die Füße kommt.
Lasst uns unsere Sorgen auf Gott werfen, damit sie tragbar werden. Wir haben nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen. Amen.
Pfarrer i. R. Johannes de Kleine
Predigt im Gottesdienst der Sommerkirche
Am 30. August 2026 in Übach-Palenberg/Frelenberg
Ihre Ansprechperson „Angedacht“

Johannes de Kleine
presse.juelich@ekir.de
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