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Aber der Herr ist treu. Er wird euch Kraft geben.

2.Thessalonicher 3,1-5 (BasisBibel):

Im Übrigen, Brüder und Schwestern:
Betet für uns,damit sich das Wort des Herrn schnell ausbreitet
und seine Herrlichkeit sichtbar wird –so, wie es auch bei euch geschah.
Betet auch darum, dass Gott unsvor den falschen und bösen Menschen bewahrt.
Denn nicht alle kommen zum Glauben.
Aber der Herr ist treu.Er wird euch Kraft geben
und vor dem Bösen beschützen.
Im Herrn ist auch unser Vertrauen begründet,dass ihr unsere Anweisungen
jetzt und in Zukunft befolgt.
Der Herr aber richte eure Herzen ausauf die Liebe zu Gott
und das Warten auf Christus.

Luther übersetzt den vorletzten Vers im Kontext seiner Zeit noch herrschaftlicher: »Wir haben aber das Vertrauen zu euch in dem Herrn, dass ihr tun werdet, was wir gebieten.«

»Anweisungen folgen«, »Gebieten« - in einer rheinischen Gemeinde wecken diese Ausdrücke und Ansprüche eher Widerstände.
»Gebieter« - das waren zu Luthers Zeiten jene, die über ein Gebiet herrschten: die Landesherren, Fürsten und Könige. Ihnen wurde absolute Autorität zugeschrieben.
Sie hatten die Macht.
Wo Macht im Spiel ist, ist Vorsicht, ja Misstrauen angeraten. Gerade die Kirche der Reformation darf hier skeptisch sein.
Luther nutzt den altbekannten Begriff, weil er weiß, dass seine Hörer*innen, seine Leser*innen ihn gut verstehen konnten. Aber er deutet ihn um. Bezieht das »gebieten« auf jemanden anderes, dem die Menschen folgen sollen. Luther hat den alten Machtansprüchen der Kirche und ihrer Bischöfe, die zugleich Landesfürsten waren, abgeschworen und sich allein an die Macht Gottes gebunden gefühlt.

Bis heute haben sich Presbyterien eine gesunde Skepsis bewahrt gegen alles von »Oben«, sei es Landeskirche oder Kirchenkreis.
Als Kirche haben wir unsere Erfahrungen gemacht, zu was es geführt hat, als es diese Skepsis nicht gab und Gemeinden und Kirchenleitende falsche Autoritäten für sich als bindend anerkannten. Er war der Anfang eine unheilvollen Zeit. Macht, Gehorsam, Befehl und Unterwerfung, der sich auch die Kirchen nicht entzogen hatten, haben in der Zeit der Diktatur des Nationalsozialismus 200 Millionen Menschen das Leben gekostet, und Europa lag am Ende in Schutt und Asche.
Das darf sich nie wieder wiederholen.
Darum erklärt die Evangelische Kirche heute klar ihre ablehnende Haltung zur AfD und stärkt auf den vielen Demonstrationen immer wieder die Menschen, die gegen Faschismus und für unsere Demokratie auf die Straße gehen.

Der Schreiber des 2. Thessalonicher-Briefes kennt solche Zeiten ganz genau.
Er erlebt, wie so viele Christinnen und Christen damals, den unbedingten Machtanspruch des Römischen Reiches durch Verfolgung, Folterung und Kreuzigung. Er weiß, unter welchem Druck die ersten kleinen Gemeinden leben.
»Gebieten« ihnen die Handlanger der römischen Macht doch, was sie zu denken, zu sagen, wie sie zu handeln und was sie zu glauben haben,
Daraus auszubrechen, anders zu denken und zu glauben konnte das eigene Leben kosten.
Und darum geraten die Gemeinden unter Druck.
Wie lebt es sich mit dem neuen Glauben?
Besser nicht auffallen oder sich wirklich radikal von der Welt abwenden?
Oder ist es gar ratsamer, dem neuen Glauben den Rücken zu kehren und unbehelligt nach den Regeln der alten Welt leben?
In diesen unsicheren Zeiten erreichen sie immer wieder Briefe, die sie aufzufordern, der eigentlichen Autorität, nämlich der Jesu Christi, zu folgen.

Ihm muss man keine Opfer bringen, damit er einem wohlgeson­nen ist. Er ist eine Autorität, dem die Worte Gnade und Hoffnung vorausgehen, ein Gott, der vom Frieden spricht und von Gerechtigkeit in einer Welt mit ihrem Unfrieden und ihren Gewaltausbrüchen.
Diese Autorität unterscheidet sich klar von dem Bösen der Welt.

Nach ihrer eigenen Verstrickung in das Böse und ihre Irrwege erklärt die Bekennende Kirche 1934:
»Wir verwerfen die falsche Lehre, als gebe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zu eigen wären, Bereiche, in denen wir nicht der Rechtfertigung und Heiligung durch ihn bedürften.«.
Auf die Barmer Theologische Erklärung werden Pfarrerinnen und Pfarrer bis heute ordiniert. Auf sie bezieht sich das Versprechen von Presbyterinnen und Presbyter bei ihrer Einführung. Auf diese Ordnung werden die neuen Mitglieder des Kreissynodalvorstandes nach ihrer Wahl auf der Kreissynode in diesem Monat, am 15. Juni, eingeführt.

Auf Jesus Christus gründet unsere evangelische Kirche ihre Ordnung. 
Die Zeiten heute sind sicher nicht vergleichbar mit denen der Bekennenden Kirche oder denen aus den Anfängen der ersten Gemeinden. Aber herausfordernd sind sie auch,

Die 6. Kichenmitgliedschaftsuntersuchung (KMU), sagt uns keine rosigen Zeiten voraus.
Und wir erleben das schon.
Rückgang der Kirchenmitglieder, Einbruch bei den Kirchensteuern. Religiosität und Glauben nur noch für 13 % der befragten Kirchenmitglieder von Bedeutung. Kirchliche Strukturen stehen vor gravierenden Veränderungen. Wir stellen unsere Gebäude, unsere personellen und finanziellen Ressourcen auf den Prüfstand. Wegen der verbreiteten Gleichgültigkeit gegenüber dem christlichen Glauben macht sich Resignation breit. »Wir werden immer weniger!«.

Der Briefschreiber damals will den Gemeinden Mut machen. Gegen alle Resignation. Mit klarem Blick auf die Realität: »betet für uns, dass wir erlöst werden von den falschen und bösen Menschen; denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding.«

Nur weil Menschen sich in herausfordernden Zeiten nicht vom Glauben abgewandt und immer wieder das Leben der christlichen Gemeinden gestärkt haben, sind wir heute noch Kirche.

Das, was für die ersten Christinnen und Christen verlockend war, dass sie sich dieser neuen Glaubensgruppe verbunden fühlten, bleibt bedeutsam bis heute. Wenn es um Neuordnung und Konzentration geht, sollten wir das bedenken.

Einen anderen Lebensstil wird man uns Christen-Menschen hoffentlich weiter abspüren. Einen anderen Umgang miteinander; einen anderen Umgang mit Gottes Schöpfung; einen anderen Umgang mit Krisensituationen. Eine Mahnung zum Frieden inmitten aller Kriegshysterie. Eine Zuwendung zu geflüchteten Menschen, bei aller Ablehnung. Eine Offenheit für queere Lebensentwürfe und sexuelle Selbstbestimmung. Ein Mitstreiten für die junge Generation für ihre Zukunft und ihre Lebensentwürfe. Das hatte die ersten Christinnen und Christen für diesen neuen Glauben begeistert.

Mehr als alles andere sollte das weiter unsere kirchliche Wirklichkeit bestimmen. Daraus ergibt sich, welche Orte, welche Räume, welche Angebote wir in Zukunft bereitstellen.
Vor der Zukunft unserer Kirche sollte uns nicht angst und bange sein.
Die kirchliche Gemeinschaft von Morgen wird eine andere sein. Aber so ist es ihr schon seit 2000 Jahren gegangen, dass sich verändert. Denn:
»Der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen«. AMEN

Pfarrer Jens Sannig, Superintendent

 

 

 

Ihre Ansprechperson „Angedacht“

Johannes de Kleine
presse.juelich@ekir.de

 

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