Nach 25 Jahren Dienst an Patientinnen und Patienten der LVR-Klink in Düren wurde die Klinikseelsorgerin Pfarrerin Ulrike Grab von ihrem Dienst entpflichtet und damit in den Ruhestand verabschiedet. In der Klinikkirche gestalteten Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter den Gottesdienst mit: Superintendent Pfarrer Jens Sannig vom Kirchenkreis Jülich, die Dürener Pfarrerin Irene Weyer sowie von der katholischen Klinikseelsorge Gemeindereferent Stefan Uerschelen und Pastoralreferentin Lucia Pfeiffer.
Pfarrerin Grab begrüßte ihre Familie, Freunde und Freundinnen und langjährige Wegbegleiter und Wegbegleiterinnen sowie nicht zuletzt die Klinikgemeinde, mit der sie über viele Jahre Gottesdienste gefeiert hatte.
Vertrauen in Gott – die Predigt
Sei getrost und unverzagt, lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht;
denn der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.
Dieses Wort aus dem Buch Josua habe sie seit ihrer Ordination und in den letzten 25 Jahren als Klinikpfarrerin hier in der Klinik immer begleitet und gestärkt. Es sei ein Stärkungswort für so manche Situation auf dem Lebensweg, besonders in Umbruchzeiten. Wie damals für Josua, so sei es ein Stärkungswort heute für die Gegenwart.
Und sie nannte konkrete Beispiele, insbesondere für Menschen in der Klinik:
„Fürchte dich nicht! – Ich werde nicht von dir weichen
Das ist Gottes Antwort auf Fragen wie: Komme ich über die Runden?
Werde ich genug Kräfte haben für die Herausforderungen, die auf mich zukommen?
Wie wird meine Familie zurechtkommen – ohne mich?
Wie wird es weitergehen, nach dem Aufenthalt hier in der Klinik?
Werde ich wieder Fuß fassen in meinem Beruf?
Wird es mir gelingen, mehr für mich selbst zu sorgen,
besser mit dem Stress umzugehen?
Werde ich mir und den anderen gerecht?
Jeder und jede wird hier je eigene Herausforderungen
vor sich sehen,
an eigene Ängste und Befürchtungen erinnert werden …“
Gegen alle Angst setze der Text Gelassenheit.
„Sei gelassen und hab Vertrauen – das meint doch,
für das Eigene einstehen, mutig den eigenen Weg gehen,
für sich selber sorgen und zugleich offen sein für das Andere, Unerwartete,
Neue, auch Fremde, das mir auf diesem Weg begegnet.
Die Furchtlosigkeit zeigt sich als Gelassenheit,
in der das sich ängstigende Herz zur Ruhe kommen kann.“
Und in Anlehnung an eine Psalmdichtung „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“ von Hanns-Dieter Hüsch schloss sie:
„Die Hoffnung, dass Gott uns über alle Zeit hält,
und wenn nötig auch trägt,
verwandelt unsere Verzagtheit und unser Sorgen
in fröhliche Leichtigkeit.
Es gibt einen, der ist da für uns, der geht mit uns –
und der lehrt uns das Lachen über alles,
was uns manchmal so schwierig erscheint,
so viel Angst macht.
Das wünsche ich Ihnen, das wünsche ich mir,
dass wir im Vertrauen auf Gottes Nähe
vergnügt, erlöst, befreit
auch in Zukunft unsere Wege gehen können. Amen.“
Der HERR ist des Armen Schutz – die Entpflichtung
Superintendent Sannig erläuterte anhand eines Verses aus dem 9. Psalm „Der Herr ist des Armen Schutz, ein Schutz in Zeiten der Not“, wie er Klinikseelsorge versteht.
„Es ist ein Satz, der sehr genau beschreibt, worum es in der Krankenhausseelsorge geht: Menschen brauchen Schutz in Zeiten, in denen das Leben seine Selbstverständlichkeit verliert.
Wenn die Gesundheit zerbricht.
Wenn die Seele keinen Halt mehr findet.
Wenn Angst, Schuld oder Einsamkeit übermächtig werden.
Wenn die Zukunft ungewiss ist und manchmal selbst die eigene Vergangenheit kaum auszuhalten scheint.
Gerade in einer Landesklinik mit Forensik begegnet einer Pfarrerin Menschen, deren Leben sich nicht einfach in Geschichten von Gut und Böse einordnen lässt.
Hier begegnen uns Krankheit und Schuld, Verletzlichkeit und Verantwortung,
Opfererfahrungen und eigenes schuldig gewordenes Handeln.“
Der Psalm spreche davon, dass Gott sich der Menschen in Not annimmt. Gott schaffe einen Schutzraum, in dem ein Mensch nicht festgelegt, sondern neu angesehen wird.
Und ganz persönlich an die Klinikseelsorgerin gewandt, fuhr er fort:
„Liebe Ulrike, über viele Jahre hast du dazu beigetragen, dass ein solcher Schutzraum in dieser Klinik entstanden ist und für die Menschen erfahrbar wurde.
Nicht als Raum aus Mauern und Türen, sondern als Raum der Aufmerksamkeit und des Vertrauens und der Zugewandtheit.
Du hast unzählige Male zugehört, ohne vorschnell zu urteilen. Du hast dich unzählige Male, immer wieder neu, auf jeden Menschen, individuell eingestellt.
Du hast unzählige Lebensgeschichten gehört, mit den Menschen durchlitten, mit ihnen ausgehalten, was schwer auszuhalten war.
Du hast mit Menschen gebetet oder still für sie gebetet,
geschwiegen, geklagt und oftmals auch mit ihnen gelacht. Ja, auch das.
Du hast Menschen den Horizont wieder weit gemacht und vom offenen Himmel erzählt.
Du hast Perspektiven neu eröffnet und ihnen manches Schwere wieder leicht gemacht.
Du hast Hoffnung bewahrt, wenn andere sie längst verloren hatten – vielleicht sogar dann, wenn die Menschen selbst nicht mehr hoffen konnten.
Damit hast du ihnen etwas von Gottes Gegenwart sichtbar gemacht.“
Mit einem herzlichen Dank für ihren Dienst schloss er, um sie dann mit der Bitte um Gottes Segen von ihrem Dienst zu entpflichten.
Großer Beifall der Gottesdienstgemeinde unterstrich die Dankesworte des Superintendenten.
Pfarrerin Grab hatte ausdrücklich darum gebeten, keine Grußworte zu sprechen. Ihrem Wunsch wurde entsprochen. So war nach dem Gottesdienst ausreichend Gelegenheit zu persönlichen Gesprächen und Dankesworten.



