Jessica Janssen, Prädikantin und Presbyteriumsvorsitzende aus Randerath, und der Heinsberger Pfarrer und Synodalassessor Sebastian Walde begrüßten weit über 60 Frauen und Männer aus den Gemeinden des Kirchenkreises zum 2. Fachtag in Hückelhoven. Wie schon im vergangenen Jahr ging es auch dieses Mal um die Zukunft der Gemeinden im Kirchenkreis.
Pfarrer Walde erinnerte in einem biblischen Impuls an Abraham, der von Gott in eine ungewisse Zukunft geschickt wurde. Er habe Gott vertraut auf seinem Weg in die Fremde. Sein Ziel sei kein Schlaraffenland gewesen, aber Gott sei hilfreich an seiner Seite gewesen. Die Kirche der Gegenwart und der Zukunft sei Teil der biblischen Erzählung. Aufbruch sei nötig und alternativlos. „Wer will, dass es weitergeht, muss weiter gehen.“ So ergebe sich das Motto für diesen Fachtag.
Eine Abfrage zur Einstimmung „Braucht es eine Veränderung in meiner Gemeinde?“ mit den Antwortmöglichkeiten „Ja, Nein, Ist mir egal, Ich bin unsicher“ ergab die überwiegende Meinung, dass Veränderung notwendig sei.
In verschiedenen Arbeitsformen (Denk- und Ideenräumen) beschäftigten sich die Anwesenden mit Aspekten der Zukunft ihrer Gemeinde(n).
Unter anderem diskutierten Kleingruppen 6 bewusst provozierend formulierte Thesen aus der Klausurtagung des Kreissynodalvorstandes vom März dieses Jahres.
- Je mehr Strukturideen vom Superintendenten/KSV entwickelt und in die Diskussion gestellt werden, umso stärker wächst der Widerstand.
- Wir setzen lieber die Altersgrenze hoch als anderen Menschen, die von „außen“ kommen, die Verantwortung zu überlassen und sich ihren Ideen zu öffnen.
- Es geht weniger um Kompetenzen und Notwendigkeiten als mehr um Macht und Kontrollverlust.
- Überlastungen werden angezeigt, aber Entlastungen sind nicht gewünscht.
- Wir ahnen, wir müssen uns verändern, aber wir wollen uns nicht verändern (lassen).
- Kirche bleibt, Strukturen verändern sich.
Als besonders hilfreich erwies sich ein Beitrag der Pforzheimer Dekanin Christiane Quincke per Video.
Die in Pforzheim in den vergangenen Jahren auf den Weg gebrachten Veränderungen dienten dem „Grundauftrag: Wir leben und verkündigen die Liebe Christi und geben ihr Raum für alle Menschen!“ Entsprechend habe man beim Veränderungsprozess auch Nichtkirchenmitglieder auf den Weg mitgenommen. Ergebnis sei eine große Gemeinde mit verschiedenen thematischen Schwerpunkten geworden. Man habe jeweils Dienstgruppen aus Mitarbeitenden verschiedener Profession gebildet, z.B. Pfarrer*in, Diakon*in, Kirchenmusiker*in. Diakonie, Kinder- und Jugendarbeit seien nach wie vor wichtige Arbeitsfelder. In den Leitungsteams hätten die ehrenamtlich Mitarbeitenden jeweils die Mehrheit, auch nichtevangelische Mitglieder gehörten dazu. Verwaltung und Organisation der Amtshandlungen seien zentral organisiert.
Die Dekanin verschwieg nicht, dass es ein kraftraubender und anstrengender Weg gewesen sei. Mit entscheidend für den Erfolg seien dialogische Formate gewesen, d.h. zahllose Gespräche in den Gemeinden, aber auch mit den Menschen außerhalb der Kirche:
Am Ende des Fachtages war den Anwesenden zum einen die Größe der vor ihr liegenden Aufgaben deutlich. Zum anderen nahmen sie konkrete Tipps und Ideen mit auf ihren Weg zurück in die Gemeinden. Und hoffentlich auch Ermutigung, den Weg der notwendigen Veränderungen weiterzugehen.
© Text und Fotos: Johannes de Kleine, Kirchenkreis Jülich




