Der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Jülich, Pfarrer Jens Sannig, und die Beauftragte des Kirchenkreises Jülich für den Religionsunterricht an Berufskollegs, Pfarrerin Bernhild Dankert, waren zu Besuch im Berufskolleg Wirtschaft (BKW) des Kreises Heinsberg in Geilenkirchen.
Schulleiter Sven May, seit mehr als drei Jahren im Amt, und der Lehrer für den evangelischen Religionsunterricht (RU), David Prinzen, begrüßten die Gäste zu einem offenen und konstruktiven Gespräch.
Was am Berufskolleg Wirtschaft den Schulalltag prägt – Gespräch mit der Schulleitung
Es gibt Gäste, die laden sich gerne selbst ein. Superintendent Sannig und Bezirksbeauftragte Dankert sind solche Gäste. Sie besuchen über das Jahr verteilt Schulen und Berufskollegs. Die Absicht dabei ist, den evangelischen Religionslehrer*innen Mut zu machen und den Rücken zu stärken für ihren wichtigen Dienst an den jungen Menschen.
In diesem Monat also das Berufskolleg Wirtschaft in Geilenkirchen.
Etwa 1235 Schülerinnen und Schüler werden von 65 Lehrkräften unterrichtet. 170 Schüler*innen gehören der evangelischen, 270 der römisch-katholischen Kirche an, und etwa 200 sind muslimisch.
Im Gespräch mit den Herren May und Prinzen ging es natürlich um die Stellung des RU an der Schule. Dass es kaum Abmeldungen vom RU gibt spricht für die Bedeutung und Qualität dieses Unterrichtes. David Prinzen unterrichtet in der gymnasialen Oberstufe.
Die Gäste vom Kirchenkreis interessierten sich dafür, was für die Schüler*innen des BKW Themen wie die möglicherweise anstehende Wehrpflicht, ständige Änderungen in der Politik oder auch Fragen der Umwelt bedeuten. Im evangelischen RU gibt David Prinzen den Schüler*innen die Möglichkeit, über ihre Sicht auf diese Dinge zu sprechen, sich eine Meinung zu bilden und auf diese Weise mit diesen schwierigen Themen umgehen zu können.
Die Schüler*innen haben zukunftsorientierte Erwartungen an die Kirche.
Der Schulleiter konnte berichten, dass der Ausbildungsmarkt sich stark entspannt hat, dass also die Chancen gut sind, nach dem Schulabschluss einen Ausbildungsplatz zu bekommen.
Ziele der Arbeit mit Schüler*innen ist es, außer den Unterrichtsinhalten auch oftmals fehlende Kompetenzen zu vermitteln, so z.B. Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, also neben der Fachkompetenz auch Sozialkompetenz.
Was junge Menschen im Blick auf Kirche und Glauben bewegt – Gespräch mit Schüler*innen
Herzstück aller Schulbesuche der Kirchenkreis-Gäste ist jeweils das Gespräch mit Schülerinnen und Schülern. So auch an diesem Vormittag in Geilenkirchen. Gesprächspartner*innen waren Schüler*innen der Jahrgangsstufe 12 der gymnasialen Oberstufe.
Die Jugendlichen eröffneten das Gespräch mit einem der schwierigsten Themen in Theologie und Kirche: Warum lässt Gott Leiden, Krieg, Krankheit und Elend zu? Und warum kann man trotz aller dieser Dinge an Gott glauben? Der Superintendent machte deutlich, dass Gott mitnichten z.B. Kriege will. Dass Menschen keine Marionetten Gottes sind. Und dass mithin für Kriege, Umweltschäden etc. nicht Gott verantwortlich ist, sondern dafür Menschen die Verantwortung tragen. Er zitierte eine kirchliche Verlautbarung kurz nach dem Ende des 2. Weltkrieges: „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein.“ Im Übrigen stelle Gott die Menschen an die Seite der Leidenden.
Das zweite Thema der Gesprächsrunde war zwangsläufig „Krieg und Frieden“. Die Frage wurde diskutiert, ob man Waffen zum Schutz von bedrohten Völkern für verantwortbar halten darf. Klar wurde, dass für Christen das Friedensgebot gilt. Es gebe aber in der evangelischen Kirche in der neuen Friedensdenkschrift die Meinung, Schutz vor Gewalt gehe vor dem Friedensgebot. Die intensive Diskussion wurde am konkreten Beispiel der Ukraine geführt. Ergebnisse waren: Die Stellung zur Frage der Waffen bleibt ein Dilemma; jede*r muss selbst entscheiden. Entscheidungen sind unausweichlich. Keine Entscheidung bleibt schuldlos. Krieg ist in jedem Fall das letzte Mittel. Sinnvoller Weise treten Menschen am besten vorbeugend für den Frieden ein.
In diesem Zusammenhang kam natürlich auch die Sprache auf die möglicherweise anstehende Frage der Wehrpflicht. Hier gab es keine klare Meinungsäußerung. Das Thema ist für die meisten der anwesenden Jugendlichen noch nicht aktuell.
Abschließend wurde die Frage erörtert: Was brauchen junge Menschen, was vermissen sie in der Kirche? Der Superintendent schlug vor, dass er zusammen mit den Schülerinnen und Schülern einen Podcast zu dieser Frage gestaltet. Zu diesem Zweck werde er gerne noch einmal die Schule kommen.
Am Ende des Vormittags nahmen die beiden Gäste den Eindruck von einer lebendigen Schule mit, an der Schülerinnen und Schüler optimal auf die weitere Ausbildung, den Beruf und überhaupt auf das Leben als Erwachsene vorbereitet werden. Jedenfalls soweit Schule das leisten kann.
© Text und Foto: Johannes de Kleine, Kirchenkreis Jülich



