Slick Slider mit Bildern

Slick Slider mit Bildern

Ansprache von Hans-Joachim Schwabe zum Volkstrauertag 2025 auf dem Friedhof in Wegberg-Dalheim

Jedes Jahr organisiert Hans-Joachim Schwabe für Pax Christi, den Versöhnungsbund und den IPPNW am Volkstrauertag eine Gedenkveranstaltung.

"Sehr geehrte Damen und Herren,

wir befinden uns hier an der Stelle, wo sieben Zwangsarbeiterinnen am 5.11.1944 ermordet wurden. Fünf stammten aus der Sowjetunion, eine aus der sowjetischen Ukraine und eine aus Polen.
Klaus Eberl, der ehemalige Pfarrer der Ev. Kirchengemeinde Wassenberg, der vor 25 Tagen leider verstarb, hat mit mir die Errichtung dieser Gedenkstelle initiiert.
Der „Vaterländische Krieg“, wie es in Russland heißt, hat mehr als 24 Mio. Russen das Leben gekostet, was durch die deutsche Gewaltherrschaft und durch den von Deutschland verursachten Vernichtungskrieg hervor-gerufen wurde. Russland hatte die meisten Opfer der insgesamt 60 Mio. Toten des Zweiten Weltkrieges zu beklagen.

Wir sollten dankbar sein, dass gerade von hier aus die Bereitschaft zur Versöhnung nach Russland getragen wurde. Pfarrer Klaus Eberl war Teil der Delegation der Ev. Kirche im Rheinland, die 1991 nach Pskow reiste, um dort um Versöhnung zu bitten. 

Pskow wurde deshalb ausgesucht, weil dort die meisten Zivilisten aus Russland von Deutschen getötet worden waren. 

Es war auch Klaus Eberl, der deutlich machte, dass Worte alleine nicht genug sind, um Versöhnung deutlich zu machen. Immer wieder sagte er: „Die Menschen in Russland müssen merken, dass sich in Deutschland etwas verändert hat.“ 

Er gründete mit seiner Kirchengemeinde das Heilpädagogische Zentrum für Kinder und Jugendliche mit schweren geistigen Behinderungen bzw. mit schweren Mehrfachbehinderungen als Zeichen der Versöhnung. Trägerin wurde die Ev. Kirchengemeinde Wassenberg, die das noch heute ist. Das Heilpädagogische Zentrum mit vielen zusätzlichen Einrichtungen, wie z.B. die Frühförderstelle und die Werkstatt für Menschen mit Einschränkungen, ist heute die Modelleinrichtung für ganz Russland für den Umgang mit Menschen mit Einschränkungen.

Ich erinnere mich auch an einen Gottesdienst, der von einem orthodoxen Priester aus Pskow und Klaus Eberl in Wassenberg gemeinsam geleitet wurde.  Am Ende des Gottesdienstes stand ein Mann auf, der wahrscheinlich seinen Wehrpass in der Hand hielt und schuldbewusst sagte: „Ich war als Soldat in Pskow“. Der orthodoxe Priester trat auf ihn zu und segnete ihn.

Bezüglich des Ukrainekrieges sagte Klaus Eberl sehr deutlich: „Der vom russischen Präsidenten angeordnete Überfall auf die Ukraine stellt einen verantwortungslosen Bruch des Völkerrechts dar. Ich habe nicht geglaubt, dass ein Krieg in Europa noch einmal die Welt regiert, aber ich muß eingestehen, dass ich mich geirrt habe“. Er sagte aber auch: „Wir stehen zu unserer Verantwortung für die Menschen in der Stadt und Region Pskow. Gemeinsam mit unseren Partnern wollen wir auf dem Weg bleiben: dem Weg der Versöhnung, der Nächstenliebe und der Menschenwürde“. 

Unablässig forderte er die auf, die Kontakte nach Russland haben, diese aufrecht zu erhalten, denn wir sind aufgefordert, im Krieg und auch danach den Weg des Friedens, der Gerechtigkeit und der Nächstenliebe zu gehen.
Meiner Ansicht nach müssen sich die Politiker der westlichen Welt aber auch immer wieder die Frage stellen: „Haben wir etwas dazu beigetragen, das Putin die Ukraine überfallen hat?“

Lassen Sie mich mit einem weiteren Zitat von Klaus Eberl aus dem letzten Rundbrief der Initiative Pskow schließen: „Dadurch, dass sich Russland in der Ukraine Schuld auflädt, ist die deutsche Schuld nicht kleiner geworden“. Wir müssen uns immer wieder bewusst werden, dass der Frieden der Ernstfall ist und nicht der Krieg."



Im Jahr 2023 haben der inzwischen verstorbene Oberkirchenrat i.R. Klaus Eberl und Hans-Joachim Schwabe sich dafür eingesetzt, dass auf dem Dalheimer Friedhof Im Hessenfeld eine Gedenkstätte für sieben durch die Nazis ermordeten Zwangsarbeiterinnen (fünf aus Russland, eine aus der  ukrainischen Sowjetunion und eine aus Polen) errichtet wurde.
Jedes Jahr organisiert Hans-Joachim Schwabe für Pax Christi, den Versöhnungsbund und den IPPNW am Volkstrauertag eine Gedenkveranstaltung.