Die ForuM-Studie (ForuM - Forschung zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und anderen Missbrauchsformen in der Evangelischen Kirche und Diakonie in Deutschland) hat im Frühjahr 2024 ans Licht gebracht, was schon längst zu ahnen resp. zu wissen war: Auch in der Evangelischen Kirche und ihrer Diakonie gab (und gibt!) es ungezählte Fälle sexualisierter Gewalt gegen Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
In unserer Evangelischen Kirche im Rheinland gab es auch in den Jahren davor schon Bemühungen, betroffenen Menschen eine Anlaufstelle sowie Hilfe und Beratung anzubieten. Seit dem Frühjahr 2024 haben sich diese Aktivitäten in hohem Maße verstärkt und ausgeweitet.
Dazu gehören auch die für alle beruflich und ehrenamtlich Mitarbeitenden in Gemeinden und Kirchenkreisen verpflichtenden „Schulungen zur Prävention von sexualisierter Gewalt“. Je nach Tätigkeit ist eine Basisschulung, eine Intensivschulung oder auch z.B. für Mitarbeitende in einer Leitungsfunktion eine Leitungsschulung verpflichtend.
Darüber hinaus unterschreiben alle Mitarbeiter*innen des Kirchenkreises, dass sie das Konzept zum Schutz vor sexualisierter Gewalt des Kirchenkreises nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern in ihrem Dienst auch mit Leben füllen. Entsprechendes gilt für die Mitarbeiter*innen in den Gemeinden.
Ende September habe ich an einer Basisschulung teilgenommen. Zwei Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Erwachsene des Diakonischen Werks in Jülich informierten in einem dreieinhalbstündigen Treffen über verschiedene Aspekte des Themas.
Da die beiden in ihrem beruflichen Alltag mit Betroffenen zu tun haben, wissen sie genau, wovon sie reden. Das spürte man in jeder Phase der Schulung. Unterstützt durch eine hervorragende didaktische Präsentation des Themas fiel es leicht, über die gesamte Dauer des Vormittags konzentriert dabei zu sein und mitzuarbeiten.
Informationen über sexualisierte Gewalt begünstigende Faktoren in der evangelischen Kirche, über Täter*innen und ihre Strategien, über erschreckende statistische Zahlen, aber auch über die Möglichkeiten, sexualisierte Gewalt zu verhindern, wurden leicht verständlich und nachvollziehbar präsentiert. In Gesprächsrunden wurden die Teilnehmer*innen eingeladen, geschilderte Situationen aus dem Alltag der Kirche zu erörtern und zu bewerten. Zudem gab es ausreichend Gelegenheit zu Nachfragen oder auch, falls gewünscht, die Möglichkeit und den Raum, Beiträge aus dem eigenen Erleben zu schildern.
Die gesamte Schulung verlief in einer vertrauensvollen Atmosphäre, die auch ganz persönliche Äußerungen ermöglichte. Als selbst Betroffener habe ich mich während der gesamten Schulung gut aufgehoben gefühlt. Ich habe viel Neues gelernt und kehre nicht zuletzt ermutigt in den Alltag meines kreiskirchlichen Dienstes zurück.
© Johannes de Kleine, Beauftragter für Öffentlichkeit des Kirchenkreises Jülich
Wozu das Thema sexualisierte Gewalt?
• Für viele Kinder und Jugendliche gehört sexualisierte Gewalt zum Alltag
• Wissen ist die Voraussetzung für kompetentes Handeln
• Ansprechbar sein für Kinder und Jugendliche und erwachsene Schutzbefohlene
• Fortbildung als Qualitätsmerkmal für die Gemeinde/die Einrichtung


