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Glauben und Leben
 

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Monatsspruch für Februar

Alles ist erlaubt - aber nicht alles nützt. Alles ist erlaubt - aber nicht alles baut auf. Denkt dabei nicht an euch selbst, sondern an die anderen.
1. Korinther 10,23,24


»Alles ist erlaubt«.
Das scheint eine gute Nachricht. »Aber nicht alles baut auf« - ist die Einschränkung. Wer angesichts der Worte vor dem Spiegelstrich mit scheinbar moralischer Ungebundenheit geliebäugelt hat, wird durch die Worte nach dem Spiegelstrich sofort gebremst.
Der Grenzenlosigkeit und Maßlosigkeit wird sofort ein Riegel vorgeschoben.
Paulus verweist unumwunden auf die Grenzen unserer vermeintlichen Freiheit.
Alles ist erlaubt - in Bindung an Jesus Christus.
Unnütz ist, was seinem Wort nicht entspricht.
Alles ist erlaubt - was dem Aufbau seiner Gemeinde dient.
Unnütz ist, nur auf sich selbst zu schauen.

Warum kommt Paulus zu dieser Einschätzung? Hat er nicht selbst gesagt, dass wer in Christus ist, ein neuer Mensch ist? Nicht mehr gebunden an das Gewesene. Frei für das Neue. Befreit durch Gottes Gnade. Zur Freiheit berufen.
Die Gemeinde in Korinth war sich offensichtlich auch nicht ganz sicher, was jetzt gilt, als Anhänger/Anhängerin dieses neuen Glaubens, der so verlockend daherkommt, weil er keine Einschränkungen mehr kennt. Weil er Freie und Unfreie, Herren und Sklaven auf eine Stufe stellt. Aber der Alltag erweist sich noch als schwierig. Zum Beispiel ist nicht klar, wie umzugehen ist mit dem Fleischkonsum. Darf man Fleisch verzehren, das eigentlich zur Opferung für die vielen Götter gedacht war? Was gilt? Die einen orientieren sich traditionell an den jüdischen Speisegesetzen und essen überhaupt kein Fleisch, das auf dem Markt zu kaufen ist, weil es fremden, in der Regel römischen Gottheiten geopfert worden war und dies deshalb als Abfall vom Glauben betrachtet wurde. Andere Anhänger von Jesus in Korinth waren hingegen für einen freieren Umgang mit diesem Götzenopferfleisch bereit. Sie entledigten sich der früheren Vorschriften und waren offen für eine zwanglose Praxis. Allerdings brüskierten sie so offensichtlich die erstgenannte Gruppe.

Es ist die Zeit von Klärungen. Was sollte aus dem bisherigen Glauben bewahrt werden an Denkweisen und rituellen Regeln? Was wird anders und neu? Worin lässt sich der versprochene lebendige Geist des Jesus von Nazareth unverhüllt und glaubwürdig spüren?
Wo wird die neue Freiheit spürbar? Bis wohin darf sie gelebt werden?
Paulus stellt erstens fest: Es gibt keine fremden Gottheiten! Also kann das Fleisch auch nicht bedenklich sein. Also ist es erlaubt, davon zu essen. Paulus bekräftigt aber auch zweitens: Nicht nur die eigene Sichtweise gibt den Ausschlag, sondern die Verantwortung für den anderen Menschen soll über die eigenen Handlungsweisen entscheiden. Rücksicht voreinander und Füreinander gilt genauso wie der eigene, ungezwungene Umgang mit den alten, überholten Traditionen.

Nur gemeinsam kann die Gemeinde Jesu Christi bestehen. Starke und Schwache im Glauben und im Leben stehen füreinander ein.
In einer Welt von heute, in der die Gegensätze immer weiter auseinander zu driften scheinen und die Welt immer mehr zu zerfallen droht, sind diese Worte vielleicht wegweisend. Nur wenn alle leben, kann auch ich leben.
Nicht alles, was für mich gut ist, ist für alle gut. Aber was für alle gut ist, ist auch für mich gut.
Immer wieder erinnert Paulus an das Evangelium Christi und bringt die Geschichten vom Reich Gottes zum Vorschein. Bis heute liefern diese Geschichten um Jesus von Nazareth den Mut für unser Engagement zugunsten von abgedrängten Menschen.
Der in hellenistisch-jüdischem Denken gelehrte Paulus hätte ja eigentlich die Vernunft als Kriterium für gelingendes gemeinschaftliches Leben der Menschen heranziehen können; bezeichnenderweise wählt er in der Nachfolge Jesu ein anderes, anstößiges Merkmal aus: Leitwährung sind die Schwachen! Nach Paulus ist die Weisheit der Welt töricht, sie läuft den Mächtigen hinterher, den Klugen, den Glamourösen, den Vornehmen, den Eindruck-Schindern, den Reichen, den Überzeugenden, den Lieblingen der Gesellschaft... Gott aber hat das Schwache erwählt und wir Reich-Gottes-Liebhaber/innen sollten uns an denen orientieren, die nichts haben, nichts wissen, nicht schön sind, sondern krank, unansehnlich, blass, arm, ungebildet. Ist das nicht töricht? Ja, sagt Paulus, aber nur so entkommt man dem Bannkreis der Welt und ihren Dämonen.

Junge Leute in der sogenannten Occupy-Bewegung hinterfragen weltweit unsere Wertmaßstäbe. Viele Menschen sehnen sich in diesen Zeiten nach echter Orientierung. Und viele haben dabei noch immer hohe Erwartungen an die Kirche.

Die Kirche Jesu Christi ist ja auch dazu da, dass es in unserer unübersichtlichen, immer schneller sich wandelnden Welt etwas Beständiges gibt, dass es in der Flut der Meinungen ein Bollwerk der festen Orientierung gibt. Orientieren dürfen wir uns als zum Leben Befreite an Jesus Christus selbst.

In dem Leben Jesu erkennen wir Wege und Ziele unseres Lebens. Erkennen wir z.B., dass nicht Krankheit, Schmerz, Streit das letzte Wort haben sollen, also dass, was oft unserem Leben seine bestimmende Gestalt zu geben scheint, sondern Heil, Trost, Versöhnung, Menschlichkeit, kurz die Liebe, die der Nähe und Ankunft Gottes entspricht.
An die erfüllte Verheißung von Gottes verändernden Möglichkeiten haben sich Menschen durch alle Zeiten geklammert.

Er selbst hat ihn, Jesus Christus, zum Haupt seiner Kirche gesetzt.
Auf ihn hin sind wir als Kirche Jesu Christi ausgerichtet.
Mit ihm sind wir als Leib Jesu Christ verbunden.
Er gibt unserer Freiheit die Richtung vor und setzt Grenzen, wo wir uns in Maßlosigkeit zu verlieren drohen.

Zum Leben befreit erkennen wir die Freiheit des Lebens, die jedem und jeder gilt. Der andere, die andere bestimmt das Maß meines Handelns. So wird das Leben gelingen und sind wir alle zum Leben befreit.

Alles ist erlaubt - in Bindung an Jesus Christus.
Unnütz ist, was seinem Wort nicht entspricht.
Alles ist erlaubt - was dem Aufbau seiner Gemeinde dient.
Unnütz ist, nur auf sich selbst zu schauen.

»Alles ist erlaubt - aber nicht alles nützt. Alles ist erlaubt - aber nicht alles baut auf. Denkt dabei nicht an euch selbst, sondern an die anderen.«

Ihr Superintendent
Pfarrer Jens Sannig

 


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